Bei Projektförderung entscheidet der Finanzierungsplan oft mit über die Zusage —
nicht nur die Summe, sondern ob sie nachvollziehbar ist. So baust du einen auf, der trägt.
Warum der Finanzierungsplan mehr ist als eine Zahl
Ein Förderantrag ohne belastbaren Finanzierungsplan wirkt unfertig, selbst wenn das Projekt
selbst überzeugt. Jurys prüfen nicht nur, ob die Summe angemessen erscheint, sondern ob die
einzelnen Posten zum beschriebenen Vorhaben passen — ein Finanzierungsplan ist damit auch ein
Beweis dafür, dass das Projekt zu Ende gedacht ist.
Aufbau: Ausgaben
Material und Produktion — was tatsächlich verbraucht oder hergestellt
wird, möglichst mit realistischen Einzelposten statt einer Pauschalsumme.
Honorar/Lebenshaltung — die eigene Arbeitszeit ist eine Kostenposition,
keine Selbstverständlichkeit. Ein Projekt, das nur Material, aber kein Honorar für die
ausführende Person einplant, wirkt bei vielen Jurys unrealistisch, nicht sparsam.
Reise- und Aufenthaltskosten — bei ortsgebundenen Projekten oder
Residencies eigens ausweisen, nicht in „Sonstiges" verstecken.
Raum-/Produktionskosten — Miete, Technik, Ausstellungsfläche, wo relevant.
Dokumentation und Vermittlung — Fotodokumentation, Katalog, Website; wird
oft vergessen, obwohl es Teil vieler Förderrichtlinien ist.
Aufbau: Einnahmen
Die beantragte Förderung — der Betrag, um den bei diesem Träger konkret
gebeten wird.
Eigenmittel — eigene finanzielle Beteiligung, und sei es nur ein kleiner
Betrag. Viele Förderer erwarten einen erkennbaren Eigenanteil als Zeichen von
Mitverantwortung.
Weitere Förderquellen — bereits zugesagte oder beantragte Förderung von
anderer Seite, mit Status (zugesagt/beantragt/geplant) klar gekennzeichnet.
Eigene Einnahmen aus dem Projekt — etwa Verkaufserlöse, Eintrittsgelder,
Teilnahmegebühren, wenn zutreffend.
Ausgaben und Einnahmen sollten sich am Ende decken — eine Förderung deckt selten 100 %
eines Projekts, und ein Plan, der das unterstellt, wirkt für viele Jurys unrealistisch.
Honorar-Untergrenzen: worauf sich beziehen?
Für Ausstellungshonorare, Werkverträge und vergleichbare künstlerische Leistungen veröffentlichen
Berufsverbände (etwa der BBK) regelmäßig Honorarempfehlungen. Konkrete Beträge ändern sich mit der
Zeit — dieser Ratgeber nennt bewusst keine fixen Eurosummen, die schnell veraltet wären. Vor dem
Aufstellen des Finanzierungsplans lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Empfehlungen des
jeweiligen Berufsverbands der eigenen Sparte.
Der Eigenanteil: wie viel ist üblich?
Es gibt keine feste Regel — manche Förderprogramme schreiben einen Mindest-Eigenanteil explizit
vor, andere erwarten ihn nur implizit als Qualitätssignal. Ein realistischer, auch kleiner
Eigenanteil (eigene Arbeitszeit über das Honorar hinaus, eigenes Material, unentgeltliche
Mitarbeit Dritter) wird meist positiver bewertet als ein Plan, der zu 100 % auf externe
Förderung setzt.
Die häufigsten Fehler
Runde Fantasiezahlen. Ein Posten „Material: 2.000 €" ohne Aufschlüsselung
wirkt geschätzt statt kalkuliert — eine kurze Aufschlüsselung in Einzelposten überzeugt mehr.
Fehlender Bezug zum Projekt. Jede Ausgabenposition sollte erkennbar zum
beschriebenen Vorhaben gehören — Posten, die nicht offensichtlich zusammenhängen, wecken
Rückfragen.
Kein Honorar für die eigene Arbeit. Ein Plan, der nur Sachkosten, aber keine
Arbeitszeit einpreist, unterschätzt oft den realen Aufwand — und normalisiert unbezahlte
künstlerische Arbeit.
Ausgaben und Einnahmen passen nicht zusammen. Die Summen sollten sich
decken oder die Differenz klar erklärt sein (z. B. „Rest wird aus Eigenmitteln getragen").
Häufig gestellte Fragen
Muss der Finanzierungsplan bei der Antragstellung schon vollständig geschlossen sein?
Nicht immer zwingend, aber realistisch — offene Posten (z. B. „weitere Förderung
beantragt, Entscheidung ausstehend") sollten klar als solche gekennzeichnet sein, statt so zu tun,
als stünde die Finanzierung schon fest.
Was, wenn ich die tatsächlichen Kosten vorab schwer einschätzen kann?
Eine begründete Schätzung mit realistischer Bandbreite ist besser als eine erfundene
Punktzahl — bei Unsicherheit hilft ein Blick auf vergleichbare, bereits realisierte Projekte.
Zählt unbezahlte Mitarbeit von Kolleg:innen als Eigenanteil?
Häufig ja, als „Sachleistung" ausgewiesen — das sollte transparent gekennzeichnet sein, nicht
in eine reguläre Kostenposition verrechnet werden.
Was passiert, wenn am Ende weniger Geld gebraucht wird als beantragt?
Das regelt meist der Verwendungsnachweis am Projektende — nicht verbrauchte Mittel müssen in
der Regel zurückgezahlt oder gesondert begründet werden. Details stehen im Förderbescheid.
Verpasse keine Frist
Die wichtigsten Stipendien-Deadlines des Monats – einmal im Monat, kostenlos, jederzeit kündbar.
Geschrieben von Jan Pleitner, bildender Künstler
(janpleitner.de) — mit eigener, langjähriger
Bewerbungspraxis für Stipendien und Residencies. Mehr zur Arbeitsweise:
Redaktion & Methodik.
Datenschutz. Diese Seite setzt standardmäßig keine Cookies und nutzt kein
Tracking. Nur wenn du Partner-Empfehlungen sehen möchtest (mit „Anzeige" gekennzeichnet), speichern
wir deine Wahl in einem Cookie.