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Stipendien-Lexikon

Die wichtigsten Begriffe rund um Kunststipendien, Residencies und Förderprogramme — kurz erklärt, mit Links zu den passenden Ausschreibungen und Ratgebern.

Arbeitsstipendium

Eine Förderung, die die künstlerische Praxis allgemein unterstützt, ohne ein bestimmtes Werk oder Projekt vorzuschreiben. Das Geld dient dem Lebensunterhalt während der Schaffenszeit, nicht der Finanzierung konkreter Produktionskosten. Die meisten Arbeitsstipendien laufen ortsungebunden — anders als eine Residency.

Stipendium & Steuer

Projektförderung

Anders als ein Arbeitsstipendium ist Projektförderung an ein konkretes Vorhaben mit Ziel, Zeitplan und meist einem Finanzierungsplan gebunden. Am Ende steht häufig ein Verwendungsnachweis, der zeigt, wie die Mittel verwendet wurden.

Budget & Finanzierungsplan

Residency (Aufenthaltsstipendium)

Eine Förderung, die an einen bestimmten Ort gekoppelt ist — meist mit Atelier, manchmal mit Unterkunft. Der Ortsbezug ist Teil der Bewerbung: Jurys erwarten eine Begründung, warum das Vorhaben gerade an diesem Ort sinnvoll ist.

Residency-Bewerbung

Dotierung

Die Höhe der Fördersumme, meist als fester Betrag oder Spanne angegeben. Bei Preisen wird die Dotierung oft prominent beworben, bei Arbeitsstipendien steht sie meist im Kleingedruckten der Ausschreibung.

Jurierung / Jury

Das Auswahlverfahren, mit dem eine unabhängige Gruppe (oft Künstler:innen, Kurator:innen, Wissenschaftler:innen) über die eingereichten Bewerbungen entscheidet. Die Zusammensetzung wechselt bei vielen Programmen jährlich, was die Auswahlkriterien von Jahrgang zu Jahrgang leicht verschieben kann.

Vergabeverfahren

Der formale Ablauf von der Ausschreibung über die Bewerbung bis zur Entscheidung — inklusive Fristen, Vorauswahl (falls vorhanden) und Bekanntgabe. Steht meist in den Förderrichtlinien der Ausschreibung.

Verwendungsnachweis

Der Nachweis nach Abschluss einer Projektförderung, dass die Mittel wie beantragt verwendet wurden — meist Belege, ein Abschlussbericht, manchmal Dokumentation des entstandenen Werks. Pflicht bei den meisten öffentlichen Förderungen.

Budget & Finanzierungsplan

Eigenanteil

Der Teil der Finanzierung, den Antragsteller:innen selbst beisteuern — an Geld, Arbeitszeit oder Sachleistung. Viele Förderer werten einen erkennbaren Eigenanteil positiv, auch wenn er klein ist.

Budget & Finanzierungsplan

Fördersumme vs. Honorar

Eine Fördersumme deckt in der Regel Kosten und Lebenshaltung während eines Projekts oder Zeitraums, ein Honorar vergütet eine konkrete Leistung oder ein Werk. Die Unterscheidung ist auch steuerlich relevant.

Stipendium & Steuer

Ausschreibung

Der offizielle Aufruf eines Trägers zur Bewerbung um eine Förderung, mit Bedingungen, Frist und Verfahren. Verbindlich ist immer der Text der Originalausschreibung, nicht eine zusammenfassende Beschreibung.

Bewerbungsfrist / Deadline

Der letzte Zeitpunkt, zu dem eine Bewerbung eingereicht werden kann — teils als Datum, teils mit genauer Uhrzeit und Zeitzone. Verspätete Einreichungen werden bei den meisten Programmen ausnahmslos ausgeschlossen.

Aktuelle Bewerbungsfristen

Laufende Bewerbung (Rolling Deadline)

Programme ohne festen Bewerbungsschluss, bei denen Anträge das ganze Jahr über eingereicht und meist fortlaufend geprüft werden. Erkennbar am Status „laufend" statt einem festen Datum.

Laufende Stipendien

Förderrichtlinie

Das Dokument, das die genauen Bedingungen, Ziele und Kriterien eines Förderprogramms festlegt — meist ausführlicher als die eigentliche Ausschreibung. Bei Unklarheiten in der Ausschreibung lohnt sich ein Blick in die Förderrichtlinie, falls verfügbar.

Antragsberechtigung

Die Voraussetzungen, die eine Bewerbung formal erfüllen muss — etwa Wohnsitz, Alter, Sparte oder Ausbildungsstand. Wer nicht antragsberechtigt ist, wird unabhängig von der Qualität der Bewerbung ausgeschlossen.

Gemeinnützigkeit

Ein rechtlicher Status für Stiftungen und Vereine, der steuerliche Vorteile mit sich bringt und für viele Förderprogramme Voraussetzung ist — unter anderem relevant für die Steuerfreiheit von Stipendien nach § 3 Nr. 44 EStG.

Stipendium & Steuer

Open Call

Eine öffentlich zugängliche Ausschreibung ohne Vorauswahl durch Nominierung — jede:r, der die Kriterien erfüllt, kann sich bewerben. Gegenteil eines Programms, das nur auf Einladung oder Empfehlung funktioniert.

Nominierung

Bei manchen Programmen (v. a. großen Preisen) ist eine Bewerbung nur über die Empfehlung einer dritten Person oder Institution möglich — eine Direktbewerbung ist dann nicht vorgesehen.

Portfolio

Eine kuratierte Auswahl eigener Werke, die die künstlerische Praxis zeigt — meist mit Titel, Jahr, Technik und Maßen zu jedem Werk. Fast jede Bewerbung verlangt eines, in Umfang und Format unterschiedlich.

Portfolio für die Bewerbung

Artist Statement

Ein kurzer Text (meist 100–200 Wörter), der die eigene künstlerische Praxis beschreibt — was gemacht wird, warum, und woran aktuell gearbeitet wird.

Artist Statement schreiben

Künstler-CV

Der künstlerische Lebenslauf: Ausbildung, Ausstellungen, Stipendien und Preise in chronologischer, kuratierter Form — kein allgemeiner beruflicher Lebenslauf.

Der Künstler-CV

Künstlersozialkasse (KSK)

Die gesetzliche Institution, die für hauptberuflich selbstständige Künstler:innen und Publizist:innen den Arbeitgeberanteil zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung übernimmt.

Künstlersozialkasse (KSK)

Stipendiat:in

Die Person, die eine Förderung erhalten hat — der Begriff bezeichnet nur den Status während der Förderdauer, nicht eine dauerhafte Bezeichnung.

Werkvertrag vs. Stipendium

Ein Werkvertrag vergütet eine konkret vereinbarte Leistung oder ein Werk und ist steuerlich Einkommen. Ein Stipendium fördert freie Praxis ohne Gegenleistung — die Grenze entscheidet auch über die steuerliche Behandlung.

Stipendium & Steuer

Preisgeld

Die Auszeichnung bei einem Wettbewerb oder Kunstpreis — steuerlich ein Grenzfall zwischen Stipendium und Einkommen, abhängig vom Anlass der Vergabe.

Stipendium & Steuer

Träger / Trägerschaft

Die Institution, Stiftung oder Behörde, die eine Förderung vergibt und finanziert — von Bundesministerien über private Stiftungen bis zu städtischen Kulturämtern.

Förderart

Die Kategorisierung einer Ausschreibung nach Art der Förderung — etwa Arbeitsstipendium, Projektförderung, Residency, Preis oder Reisestipendium.

Sparte / Disziplin

Die künstlerische Fachrichtung, der eine Ausschreibung zugeordnet ist — bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater und weitere. Viele Programme sind auf eine oder wenige Sparten beschränkt.

Stipendien nach Sparte

Interdisziplinär

Programme, die entweder für mehrere Sparten offen sind oder eine Zusammenarbeit zwischen Sparten ausdrücklich verlangen — was genau gemeint ist, steht in der jeweiligen Ausschreibung.

Stipendien für Interdisziplinär

Nachwuchsförderung

Programme, die sich gezielt an Künstler:innen am Anfang der Laufbahn richten — oft mit Altersgrenze oder maximalem Zeitraum seit Studienabschluss als Kriterium.

Öffentliche Mittel

Fördergelder aus Bundes-, Landes- oder kommunalen Haushalten — im Gegensatz zu privater Stiftungsförderung. Für die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 44 EStG ist die Herkunft aus öffentlichen Mitteln oder von einer gemeinnützigen Einrichtung eine von drei Voraussetzungen.

Stipendium & Steuer

Geschrieben von Jan Pleitner, bildender Künstler (janpleitner.de) — mit eigener, langjähriger Bewerbungspraxis für Stipendien und Residencies. Mehr zur Arbeitsweise: Redaktion & Methodik.

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