Jurys lesen deinen CV in unter einer Minute. So baust du ihn auf, dass er trägt —
mit der Reihenfolge, die sich in Bewerbungen durchgesetzt hat.
Ein Künstler-CV ist kein Lebenslauf im klassischen Sinn — Berufserfahrung außerhalb der
künstlerischen Praxis gehört selten hinein, es sei denn, sie ist direkt relevant. Was zählt, ist
eine klare, überprüfbare Chronologie der eigenen künstlerischen Tätigkeit: was wurde gezeigt, wo,
mit wem, gefördert von wem.
Der Aufbau (in dieser Reihenfolge)
Kopf: Name, Geburtsjahr/-ort, Arbeitsort, Website. Kein Foto nötig —
Jurys bewerten die Arbeit, nicht das Aussehen.
Ausbildung: Studium, Klasse/Professor:in, Abschlüsse — rückwärts
chronologisch, neuestes zuerst. Bei Autodidakt:innen: relevante Workshops, Mentoring oder
Selbststudium kurz benennen, statt die Rubrik wegzulassen.
Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen getrennt;
jeweils Jahr, Titel, Institution/Galerie, Stadt. Bei vielen Einträgen: „Auswahl" in die
Überschrift schreiben und auf die stärksten 10–15 kürzen.
Stipendien & Preise: genau die Sektion, die bei Förderjurys zählt —
vollständiger Name des Programms, Jahr, ggf. Träger. Wer selbst Förderung beantragt, sollte
diese Rubrik nicht unter „Sonstiges" verstecken.
Sammlungen / Publikationen / Presse — nur wenn substanziell. Eine einzelne
Lokalzeitungs-Erwähnung wirkt schwächer als gar keine Presse-Rubrik.
Wie viele Einträge sind zu viel?
Als Faustregel: Ein CV, der länger als zwei Seiten wird, verliert an Wirkung. Wer über Jahre
viele Ausstellungen gesammelt hat, kürzt auf die relevantesten — „Auswahl" in der Überschrift
macht das explizit und transparent, statt den Eindruck von Vollständigkeit vorzutäuschen. Bei
wenigen Einträgen ist ein kurzer, ehrlicher CV besser als einer, der mit Nebensächlichkeiten
gestreckt wird.
Die 5 häufigsten Fehler
Alles auflisten statt kuratieren — ein 6-Seiten-CV liest niemand
vollständig. Jede zusätzliche Seite reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die wichtigsten
Einträge überhaupt wahrgenommen werden.
Gemischte Chronologie (mal auf-, mal absteigend). Immer: Neuestes zuerst,
konsequent in jeder Rubrik.
Semesterausstellungen als „Gruppenausstellung" verkaufen — Jurys erkennen
das an Institution und Kontext. Ehrlichkeit wirkt hier stärker als aufgeblähte Erfahrung.
Inkonsistente Formatierung von Jahr/Titel/Ort — wirkt ungenau, selbst wenn
die Inhalte stimmen. Ein einheitliches Muster pro Zeile (Jahr, Titel, Ort) erleichtert das
schnelle Lesen.
Kein Datum der letzten Aktualisierung im Dateinamen (cv_nachname_2026.pdf)
— ohne das weiß niemand, ob eine eingereichte Version aktuell ist.
CV auf der eigenen Website
Der stärkste CV ist der, der immer aktuell ist: auf der eigenen Portfolio-Website gepflegt und
in der Bewerbung nur verlinkt. So zeigst du zugleich Professionalität und ersparst dir das
PDF-Chaos aus mehreren Versionen mit unterschiedlichem Stand.
Häufig gestellte Fragen
Was, wenn ich erst am Anfang meiner künstlerischen Laufbahn stehe und wenig vorzuweisen habe?
Ausbildung, erste Gruppenausstellungen, Workshops und relevante Praktika reichen für den
Anfang — Qualität und Relevanz zählen mehr als die Anzahl der Einträge. Ein kurzer, klarer CV
wirkt seriöser als einer mit künstlich aufgeblähten Positionen.
Sollte ich internationale und lokale Ausstellungen getrennt aufführen?
Nicht zwingend nötig — die chronologische Reihenfolge innerhalb von Einzel- und
Gruppenausstellungen reicht meist. Bei sehr internationaler Praxis kann eine Trennung sinnvoll
sein, wenn sie Übersicht schafft statt Verwirrung.
Gehören abgesagte oder verschobene Ausstellungen in den CV?
Nur, wenn sie tatsächlich stattgefunden haben oder konkret terminiert sind — ein CV sollte
überprüfbare Fakten enthalten, keine Absichtserklärungen.
Wie aktuell muss der CV bei jeder Bewerbung sein?
Vor jedem Einreichen kurz prüfen: fehlt eine neue Ausstellung, ein neues Stipendium? Ein
veralteter CV fällt Jurys, die viele Bewerbungen vergleichen, schneller auf, als man denkt.
Verpasse keine Frist
Die wichtigsten Stipendien-Deadlines des Monats – einmal im Monat, kostenlos, jederzeit kündbar.
Geschrieben von Jan Pleitner, bildender Künstler
(janpleitner.de) — mit eigener, langjähriger
Bewerbungspraxis für Stipendien und Residencies. Mehr zur Arbeitsweise:
Redaktion & Methodik.
Datenschutz. Diese Seite setzt standardmäßig keine Cookies und nutzt kein
Tracking. Nur wenn du Partner-Empfehlungen sehen möchtest (mit „Anzeige" gekennzeichnet), speichern
wir deine Wahl in einem Cookie.