Residencies vergeben Zeit und Raum — keine Projektmittel im engeren Sinn. Wer das im
Antrag versteht, bewirbt sich anders. Und besser.
Der zentrale Unterschied zu einem klassischen Arbeitsstipendium: Eine Residency bindet die
Förderung an einen bestimmten Ort, oft mit Atelier, manchmal mit Unterkunft. Die Bewerbung muss
deshalb nicht nur überzeugen, was entstehen soll, sondern warum es ausgerechnet an diesem
Ort entstehen sollte.
Was Residency-Jurys wirklich lesen wollen
Warum DIESER Ort? Der häufigste Ablehnungsgrund ist der austauschbare Antrag.
Nenne konkret, was der Ort/Kontext für deine Arbeit ändert — die Landschaft, die lokale Szene,
ein Archiv, ein bestimmtes Material vor Ort. Ein Antrag, der wortgleich für zehn verschiedene
Residencies passen würde, verliert gegen einen, der erkennbar für genau dieses Programm
geschrieben ist.
Was hast du vor — realistisch? Ein Vorhaben, das in 6–12 Wochen greifbar ist,
schlägt das Weltprojekt. Ein klar umrissenes Etappenziel wirkt überzeugender als ein Vorhaben,
das offensichtlich mehr Zeit braucht, als die Residency bietet.
Was bringst du mit? Viele Häuser leben vom Austausch: Offenheit für Open
Studio, Talks, Community zählt — gerade bei Residencies, die bewusst mehrere Künstler:innen
gleichzeitig aufnehmen.
Aufbau des Antrags
Die meisten Residency-Bewerbungen bestehen aus denselben vier Teilen, auch wenn die genaue
Form variiert:
Motivation/Ortsbezug — warum diese Residency, warum jetzt.
Projektskizze — was während des Aufenthalts entstehen soll, realistisch
für die gegebene Dauer.
Portfolio — meist als Link statt PDF-Anhang (siehe unten).
CV und ggf. Referenzen — ein bis zwei Kontakte, die Auskunft geben können.
Praktisch vorbereiten
Portfolio-Link statt 40-MB-PDF — internationale Jurys öffnen Links eher als große Anhänge
herunterzuladen. (Portfolio-Guide)
Referenzen früh anfragen — viele Programme verlangen 1–2 Namen, und Referenzpersonen
brauchen Vorlauf, um zeitnah zu antworten.
Budget checken: Reisekosten/Materialgeld sind nicht überall gedeckt — steht im
Verzeichnis-Eintrag unter Dotierung, sonst direkt beim Träger nachfragen.
Versicherung fürs Ausland vor Antritt klären (Haftpflicht + Kranken).
(Versicherungs-Guide)
Nach der Zusage: was jetzt ansteht
Eine Zusage ist erst der Anfang der Organisation — Reise, ggf. Visum, Versicherung und die
Frage, wie das laufende Leben zuhause für die Dauer des Aufenthalts geregelt wird (Atelier,
Post, laufende Verpflichtungen). Wer das früh klärt, kann sich vor Ort auf die Arbeit
konzentrieren statt auf Logistik.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich eine Residency-Bewerbung von einem Arbeitsstipendium?
Ein Arbeitsstipendium fördert die Praxis ortsungebunden, eine Residency ist an einen
bestimmten Aufenthaltsort gekoppelt. Die Bewerbung muss deshalb zusätzlich begründen, warum genau
dieser Ort für das Vorhaben wichtig ist.
Muss das Projekt während der Residency fertig werden?
Selten wird ein fertiges Werk verlangt — die meisten Programme erwarten ein klar umrissenes
Etappenziel, das zur Aufenthaltsdauer passt, nicht ein abgeschlossenes Endergebnis.
Was, wenn ich Familie oder feste Verpflichtungen zuhause habe?
Viele Residencies bieten kürzere Formate (wenige Wochen) an, nicht nur mehrmonatige
Aufenthalte — ein Blick auf die genaue Dauer der jeweiligen Ausschreibung lohnt sich vor der
Bewerbung.
Kann ich mich für mehrere Residencies gleichzeitig bewerben?
Ja, das ist üblich — bei überschneidenden Zeiträumen sollte im Fall mehrerer Zusagen aber früh
und transparent mit den Trägern kommuniziert werden.
Verpasse keine Frist
Die wichtigsten Stipendien-Deadlines des Monats – einmal im Monat, kostenlos, jederzeit kündbar.
Geschrieben von Jan Pleitner, bildender Künstler
(janpleitner.de) — mit eigener, langjähriger
Bewerbungspraxis für Stipendien und Residencies. Mehr zur Arbeitsweise:
Redaktion & Methodik.
Datenschutz. Diese Seite setzt standardmäßig keine Cookies und nutzt kein
Tracking. Nur wenn du Partner-Empfehlungen sehen möchtest (mit „Anzeige" gekennzeichnet), speichern
wir deine Wahl in einem Cookie.