Atelier, Auftragsarbeiten, Residency im Ausland: Wo Künstler:innen wirklich Absicherung
brauchen – und wo nicht. Ehrlich sortiert, ohne Versicherungs-Panik.
Keine Rechts- oder Versicherungsberatung – dieser Überblick hilft,
die richtigen Fragen zu stellen.
Was wirklich relevant ist
Berufshaftpflicht: deckt Schäden, die durch deine berufliche Tätigkeit entstehen –
z. B. beim Aufbau einer Ausstellung, im geliehenen Atelier oder bei Auftragsarbeiten. Viele
Institutionen und Residencies verlangen inzwischen einen Nachweis, bevor sie Räume oder
Ausrüstung zur Verfügung stellen.
Atelier-/Inhaltsversicherung: Werke, Material und Werkzeug gegen Feuer/Wasser/
Einbruch – sinnvoll ab nennenswertem Bestand. Wer in einem gemieteten Atelier arbeitet, sollte
zusätzlich prüfen, ob die Hausratversicherung des Vermieters eigene Werke überhaupt einschließt
(meist nicht, ohne separaten Zusatz).
Auslands-Krankenversicherung: Pflicht-Check vor jeder Residency außerhalb der
EU — die eigene gesetzliche oder private Krankenversicherung deckt im Ausland oft nur einen
Bruchteil oder gar nichts.
Was meist überflüssig ist
Teure Spezial-Policen für Einzelrisiken, die deine Privathaftpflicht oder die Institution schon
abdeckt. Erst prüfen, was Residency/Veranstalter stellen – dann versichern, was übrig bleibt. Eine
doppelte Absicherung für dasselbe Risiko kostet nur, ohne zusätzlichen Nutzen zu bringen.
Transportversicherung für Werke
Ein häufig übersehener Punkt: Der Transport von Werken zu einer Ausstellung oder Residency ist
selten automatisch versichert — weder über die private Haftpflicht noch
zwangsläufig über die veranstaltende Institution. Bei wertvollen oder empfindlichen Arbeiten lohnt
sich eine gezielte Nachfrage, wer im Schadensfall haftet, bevor das Werk das Atelier verlässt.
Künstlersozialkasse und Versicherung
Wer über die Künstlersozialkasse (KSK) kranken- und rentenversichert ist, hat damit bereits die
wichtigste soziale Absicherung geregelt — die KSK ersetzt aber keine Berufshaftpflicht oder
Atelierversicherung, das sind getrennte Themen. Details zur KSK selbst, wer antragsberechtigt ist
und welche Fristen gelten, im eigenen Ratgeber
dazu.
Vor der Residency: die 3-Punkte-Prüfung
Verlangt die Institution eine Haftpflicht-Bescheinigung?
Sind deine Werke auf dem Transport versichert (oft: nein)?
Gilt deine Krankenversicherung im Gastland?
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich als Künstler:in überhaupt eine Berufshaftpflicht, wenn ich privat haftpflichtversichert bin?
Die private Haftpflicht deckt in der Regel keine Schäden aus beruflicher Tätigkeit ab — das ist
genau die Lücke, die eine Berufshaftpflicht schließt. Ob sie nötig ist, hängt von der eigenen
Praxis ab (Ausstellungsaufbau, fremde Räume, Auftragsarbeiten).
Zahlt die Institution die Versicherung, oder muss ich das selbst regeln?
Unterschiedlich — manche Residencies und Institutionen stellen eine Grundabsicherung, andere
verlangen einen eigenen Nachweis. Das steht selten explizit in der Ausschreibung, eine Nachfrage
vor Antritt lohnt sich.
Ist eine Ausstellungsversicherung für kurze Gruppenausstellungen sinnvoll?
Bei geringem Werkwert oft verzichtbar, bei höherwertigen Arbeiten oder Leihgaben empfehlenswert
— hier zählt der reale Wert der gezeigten Werke, nicht die Dauer der Ausstellung.
Verpasse keine Frist
Die wichtigsten Stipendien-Deadlines des Monats – einmal im Monat, kostenlos, jederzeit kündbar.
Geschrieben von Jan Pleitner, bildender Künstler
(janpleitner.de) — mit eigener, langjähriger
Bewerbungspraxis für Stipendien und Residencies. Mehr zur Arbeitsweise:
Redaktion & Methodik.
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